LED spart Strom, also ist LED gut für die Umwelt. Klingt logisch – ist aber zu einfach gedacht. Eine große Auswertung aus dem Fachjournal Science zeigt, warum.
Kurz gesagt: LED ist pro Lumen mit Abstand die effizienteste Lichtquelle. Trotzdem nimmt die Lichtverschmutzung weltweit um durchschnittlich 9,6 % pro Jahr zu (Kyba et al., Science, 2023). Der Grund ist ein Rebound-Effekt: Weil Licht billiger wurde, wird mehr und heller beleuchtet. LED-Umrüstungen ohne Neudimensionierung, Steuerung und Sensorik verschenken deshalb einen großen Teil des Einsparpotenzials.
Was die Studie zeigt
Für das Citizen-Science-Projekt „Globe at Night“ haben Menschen weltweit über 51.000 Mal gemeldet, wie viele Sterne sie am Nachthimmel sehen. Ausgewertet wurde der Zeitraum 2011 bis 2022. Ergebnis: Die Himmelshelligkeit durch künstliches Licht steigt im Schnitt um 9,6 % pro Jahr.
Zur Einordnung: Ein Kind, das an einem Ort mit 250 sichtbaren Sternen geboren wird, sieht bei diesem Tempo mit 18 Jahren nur noch rund 100.
Das ist deutlich mehr, als ältere Satellitendaten vermuten ließen. Die kamen auf rund 2 % pro Jahr. Der Unterschied: Satelliten erfassen das blaue Licht moderner weißer LEDs nur unzureichend.
Der Rebound-Effekt: Wenn Effizienz zu mehr Verbrauch führt
LED hat Licht billig gemacht. Und was billig ist, wird mehr genutzt. Statt die mögliche Energieeinsparung mitzunehmen, wurde vielerorts heller, länger und an mehr Stellen beleuchtet. Fassaden, Werbeflächen, Parkplätze, Gärten.
Ökonomen nennen das Rebound-Effekt. Im Extremfall – wenn der Gesamtverbrauch durch die Effizienzsteigerung sogar steigt – spricht man vom Jevons-Paradoxon.
Was das nicht bedeutet
LED ist nicht weniger umweltfreundlich als ältere Technik. Im Gegenteil. Gegenüber Leuchtstoffröhren, HQL- oder Natriumdampflampen spart LED typischerweise 50 bis 70 % Strom, enthält kein Quecksilber und hält um ein Vielfaches länger.
Die Studie zeigt nur: Der Vorteil entsteht nicht durch den Leuchtmitteltausch allein. Entscheidend ist das Gesamtkonzept.
So wird eine LED-Umrüstung wirklich nachhaltig
- Neu dimensionieren statt 1:1 tauschen. Eine Lichtplanung nach DIN zeigt, wie viel Licht wo gebraucht wird. Oft reichen weniger Lichtpunkte als vorher.
- Steuerung und Sensorik einplanen. Präsenzmelder in Lager- und Nebenbereichen, Tageslichtsensoren an Fenstern und Lichtbändern, Zeitsteuerung draußen. Licht, das nicht brennt, verbraucht nichts.
- Licht lenken. Gute Optiken bringen das Licht auf die Fläche statt in den Himmel oder zum Nachbarn.
- Draußen warmweiß. Bis 3.000 K – weniger Blauanteil, weniger Insekten, weniger Himmelsaufhellung.
- Ressourcen schonen. Langlebige Leuchten und der Weiterbetrieb vorhandener Infrastruktur sparen Material. Unser Lichtbandmodul LUMOline passt zum Beispiel auf aktuell rund 48 verschiedene Lichtbandsysteme – die Tragschienen bleiben, nur das Modul wird getauscht.
Wie effizient eine Leuchte im Gesamtsystem arbeitet, zeigt übrigens die Lichtausbeute in lm/W – mehr dazu im Licht-Lexikon.
Häufige Fragen
Ist LED-Beleuchtung umweltfreundlich?
LED ist pro Lumen die energieeffizienteste Lichtquelle und deutlich umweltfreundlicher als Leuchtstoffröhren, HQL- oder Natriumdampflampen. Der ökologische Vorteil hängt aber davon ab, ob die Einsparung auch genutzt wird – oder ob stattdessen mehr und heller beleuchtet wird.
Was ist der Rebound-Effekt bei LED?
Weil Licht durch LED günstiger geworden ist, wird mehr und heller beleuchtet. Ein Teil der möglichen Energieeinsparung geht dadurch wieder verloren. Im Extremfall steigt der Gesamtverbrauch sogar – das nennt man Jevons-Paradoxon.
Wie mache ich meine LED-Umrüstung möglichst nachhaltig?
Mit einer Neudimensionierung nach DIN statt 1:1-Tausch, mit Präsenz- und Tageslichtsteuerung, gezielter Lichtlenkung ohne Abstrahlung nach oben und warmweißem Licht im Außenbereich. Langlebige Leuchten und der Weiterbetrieb vorhandener Tragschienen sparen zusätzlich Ressourcen.
Über die Reihe „Licht-Mythen“
Zurück zu Folge 3: Mehr Licht = mehr Sicherheit? oder zum Anfang der Reihe: Folge 1: Mehr Lumen = mehr Sehkomfort?
Haben Sie bei Ihrer letzten LED-Umrüstung auch auf Steuerung und Sensorik gesetzt – oder wurde 1:1 getauscht? Wir prüfen gerne, wie viel Potenzial noch in Ihrer Anlage steckt. Schreiben Sie uns an kundenservice@ledoptix.de.
Quellen
Über den Autor: Jan Reiners
LED-Beleuchtungsexperte und TÜV-zertifizierter Fachplaner bei der LEDoptix GmbH mit über 15 Jahren Erfahrung in Lichtplanung und LED-Umrüstung für Industrie, Logistik und Gewerbe. Jan Reiners auf LinkedIn
