Mehr Licht, mehr Sicherheit. Das klingt so selbstverständlich, dass kaum jemand es hinterfragt. Eine Langzeitstudie aus England zeigt allerdings: Ganz so einfach ist es nicht.
Kurz gesagt: In einer Studie von LSHTM und UCL (Tompson et al., 2022) sank die Fahrzeugkriminalität in Straßen, deren Beleuchtung nachts teilweise abgeschaltet wurde – während sie in helleren Nachbarstraßen stieg. Für Betriebe heißt das nicht: Licht aus. Es heißt: Sicherheit hängt an der Qualität des Lichts. Am Arbeitsplatz machen nur blendfreie, gleichmäßige und normgerechte Beleuchtung nach DIN EN 12464-1 Gefahrenstellen zuverlässig sichtbar.
Was die Studie herausgefunden hat
Forschende der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) und des University College London (UCL) haben über Jahre untersucht, wie sich Änderungen an der Straßenbeleuchtung in England auf Kriminalität auswirken. Viele Kommunen hatten aus Kostengründen die Beleuchtung nachts teilweise abgeschaltet (etwa zwischen Mitternacht und 5 Uhr), gedimmt oder auf weißes Licht umgestellt.
Das Ergebnis überraschte: In den Straßen mit abgeschalteter Beleuchtung halbierten sich die nächtlichen Autoeinbrüche – von durchschnittlich 12 auf 6 Fälle pro Straße und Monat. Gleichzeitig stieg die Fahrzeugkriminalität in benachbarten, die ganze Nacht beleuchteten Straßen um etwa das 1,5-Fache. Unterm Strich blieb ein Rückgang. Ausgewertet wurden Polizeidaten der Region Thames Valley aus den Jahren 2004 bis 2013; veröffentlicht wurde die Studie im Journal of Quantitative Criminology.
Die Erklärung der Forschenden: In dunklen Straßen können Täter schlechter erkennen, ob sich Wertsachen im Auto befinden. Sie weichen auf besser beleuchtete Bereiche aus.
Was das nicht bedeutet
Natürlich sollten Unternehmen für mehr Sicherheit jetzt nicht das Licht ausschalten. Auf dem Betriebsgelände und in der Halle gelten klare Anforderungen – und die Verkehrssicherungspflicht. Die Studie zeigt nur: „Viel hilft viel“ ist beim Licht der falsche Maßstab.
Sicherheit am Arbeitsplatz: Es kommt aufs Gesamtsystem an
Am Arbeitsplatz geht es um etwas anderes als um Einbrüche: Menschen müssen Gefahren rechtzeitig erkennen. Stolperfallen, Kanten, Stufen, Staplerverkehr, bewegte Maschinenteile. Dafür braucht es:
- Ausreichende Beleuchtungsstärke nach DIN EN 12464-1 bzw. ASR A3.4 – zum Beispiel 200 Lux auf Verkehrswegen in Hallen, 300 Lux in allgemeinen Produktionsbereichen, 500 Lux und mehr bei feinen Montagearbeiten.
- Gleichmäßigkeit – keine dunklen Zonen zwischen hellen Inseln, in denen das Auge kurz „blind“ ist.
- Wenig Blendung – eine grelle Leuchte im Blickfeld eines Staplerfahrers ist ein Risiko, kein Gewinn. Mehr dazu in Folge 1 unserer Reihe.
- Gute Farbwiedergabe – damit Sicherheitsfarben und Markierungen eindeutig erkennbar sind.
- Funktionierende Sicherheitsbeleuchtung – für den Fall, dass die Allgemeinbeleuchtung ausfällt.
Zu wenig Licht ist gefährlich. Zu viel Licht am falschen Ort aber auch.
Typische Schwachstellen in Bestandsanlagen
- Leuchtstoffröhren und HQL-Strahler, die über Jahre unbemerkt an Lichtstrom verloren haben.
- Bereiche, die bei früheren Umrüstungen ausgelassen wurden – Nebenräume, Treppen, Rampen.
- Übergänge zwischen heller Halle und dunklem Außenbereich, etwa an Toren und Laderampen.
- Einzelne grelle Strahler, die nachträglich „für mehr Sicherheit“ montiert wurden und jetzt blenden.
Häufige Fragen
Macht mehr Straßenbeleuchtung Straßen sicherer?
Nicht zwangsläufig. Eine Langzeitstudie von LSHTM und UCL (Tompson et al., 2022) fand in englischen Straßen, in denen die Beleuchtung nachts teilweise abgeschaltet wurde, etwa halb so viele nächtliche Autoeinbrüche – während die Fahrzeugkriminalität in hell beleuchteten Nachbarstraßen zunahm. Auf Gewalt, Raub oder Wohnungseinbrüche hatte die Änderung keinen messbaren Einfluss.
Wie sorgt Beleuchtung am Arbeitsplatz für Sicherheit?
Durch normgerechte Beleuchtungsstärke, gute Gleichmäßigkeit und wenig Blendung. So werden Stolperfallen, Kanten, Gefahrenstellen und bewegte Maschinenteile zuverlässig erkannt. Grundlage ist die DIN EN 12464-1 bzw. die ASR A3.4.
Kann zu viel Licht gefährlich sein?
Ja. Blendung durch zu helle oder falsch ausgerichtete Leuchten, starke Hell-Dunkel-Kontraste und Spiegelungen können Gefahrenstellen verdecken und das Auge überfordern – etwa beim Wechsel zwischen heller Halle und dunklem Außenbereich.
Über die Reihe „Licht-Mythen“
Zurück zu Folge 2: Kältere Lichtfarbe = mehr Helligkeit? – weiter mit Folge 4: LED = automatisch umweltfreundlich?
Wissen Sie, ob Ihre Beleuchtung die Mindestwerte noch erreicht? Wir messen nach und zeigen Ihnen, wo nachgebessert werden muss. Schreiben Sie uns an kundenservice@ledoptix.de oder rufen Sie an unter 089 63 89 301-00.
Quellen
- Tompson et al. (2022): Absence of Street Lighting May Prevent Vehicle Crime, but Spatial and Temporal Displacement Remains a Concern, Journal of Quantitative Criminology
- LSHTM: Street lighting may help rather than hinder vehicle crime (2022)
- UCL News: Street lighting may enable rather than hinder street crime (2022)
Über den Autor: Jan Reiners
LED-Beleuchtungsexperte und TÜV-zertifizierter Fachplaner bei der LEDoptix GmbH mit über 15 Jahren Erfahrung in Lichtplanung und LED-Umrüstung für Industrie, Logistik und Gewerbe.
