„Machen wir es einfach heller, dann passt das schon.“ Diesen Satz hören wir oft, wenn es um Beschwerden über die Beleuchtung geht. Klingt logisch – ist aber zu einfach gedacht.
Kurz gesagt: Mehr Lumen bedeuten mehr Licht, aber nicht automatisch besseres Sehen. Zu große Helligkeitsunterschiede im Sehfeld erzeugen Blendung – und die führt zu Ermüdung, Konzentrationsverlust und Fehlern. Gemessen wird die störende Blendung über den UGR-Wert: je niedriger, desto blendfreier. Für Büroarbeitsplätze gilt meist UGR ≤ 19, in der Industrie je nach Tätigkeit UGR ≤ 22 oder 25.
Warum der Mythos so verbreitet ist
Lumen ist die bekannteste Zahl auf dem Leuchtenkarton. Sie gibt an, wie viel Licht eine Leuchte insgesamt abgibt. Bei der Umstellung von alter Beleuchtung auf LED wird oft genau diese Zahl verglichen: alte Leuchte so viel Lumen, neue Leuchte mehr Lumen – also besser.
Was dabei untergeht: Lumen sagt nichts darüber, wohin das Licht geht. Und auch nichts darüber, wie es auf das Auge wirkt.
Was wirklich über Sehkomfort am Arbeitsplatz entscheidet
Unser Auge passt sich ständig an die Helligkeit im Sehfeld an. Sind die Unterschiede zu groß – eine sehr helle Leuchte im Blickfeld, daneben eine dunkle Arbeitsfläche – muss es permanent nachregeln. Das ist anstrengend, auch wenn man es nicht bewusst merkt.
Die Folgen im Arbeitsalltag:
- schnellere Ermüdung und müde Augen
- sinkende Konzentration im Laufe der Schicht
- mehr Fehler, mehr Nacharbeit
- Kopfschmerzen und Unzufriedenheit
Deshalb kann eine hell ausgeleuchtete Halle trotzdem unangenehm sein. Wenn das Licht nicht richtig verteilt ist, nützt die Menge wenig.
Wie man Blendung misst: der UGR-Wert
Fachleute bewerten die psychologische Blendung mit dem UGR-Wert (Unified Glare Rating). Er wird aus der Leuchtdichte der Leuchten, ihrer Anordnung und der Raumgeometrie berechnet. Die Skala reicht etwa von 10 bis 30 – je niedriger, desto blendfreier.
Die DIN EN 12464-1 legt je nach Sehaufgabe Grenzwerte fest:
- UGR ≤ 19 für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze
- UGR ≤ 22 für viele industrielle Tätigkeiten und Montage
- UGR ≤ 25 für grobe Arbeiten und Lagerbereiche
Alles Wichtige zum Kennwert erklären wir ausführlich im Licht-Lexikon: UGR-Wert einfach erklärt.
Was das für die Praxis bedeutet
Gute Beleuchtung entsteht durch Planung, nicht durch Maximalwerte. Drei Punkte machen den Unterschied:
- Die richtige Optik: Linsen und Reflektoren lenken das Licht dahin, wo es gebraucht wird – und schirmen es dort ab, wo es blendet.
- Die richtige Anordnung: Abstand und Montagehöhe der Leuchten bestimmen die Gleichmäßigkeit. Helle Inseln und dunkle Zonen dazwischen sind schlechter als ein gleichmäßig etwas niedrigeres Niveau.
- Die richtige Menge: So viel wie nötig für die Sehaufgabe nach DIN, nicht so viel wie möglich. Alles darüber kostet Strom und kann blenden.
Bei jeder unserer Lichtplanungen werden Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und UGR-Wert von Anfang an berechnet – nicht erst als Korrektur, wenn sich Mitarbeiter beschweren.
Häufige Fragen
Kann zu viel Licht am Arbeitsplatz schaden?
Ja, wenn es falsch verteilt ist. Große Helligkeitsunterschiede im Sehfeld und direkt sichtbare, sehr helle Leuchten erzeugen Blendung. Das führt zu schnellerer Ermüdung, sinkender Konzentration und mehr Fehlern.
Was ist ein guter UGR-Wert?
Je niedriger, desto blendfreier. Für Büro- und Bildschirmarbeit gilt nach DIN EN 12464-1 meist UGR ≤ 19, für viele industrielle Tätigkeiten UGR ≤ 22, für grobe Arbeiten bis UGR 25.
Wie erkenne ich Blendung in meiner Halle?
Typische Anzeichen sind Beschwerden über müde Augen oder Kopfschmerzen, Mitarbeiter, die sich Schirmmützen aufsetzen oder Leuchten abkleben, und Spiegelungen auf Bildschirmen, Maschinen oder glänzenden Oberflächen.
Über die Reihe „Licht-Mythen“
In unserer Reihe räumen wir mit verbreiteten Irrtümern rund um Licht und Beleuchtung auf. Weiter geht es mit Folge 2: Kältere Lichtfarbe = mehr Helligkeit?
Welchen Licht-Mythos haben Sie schon gehört – oder sogar selbst geglaubt? Schreiben Sie uns an kundenservice@ledoptix.de. Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Beleuchtung blendfrei und normgerecht ist, messen wir gerne nach.
Über den Autor: Jan Reiners
LED-Beleuchtungsexperte und TÜV-zertifizierter Fachplaner bei der LEDoptix GmbH mit über 15 Jahren Erfahrung in Lichtplanung und LED-Umrüstung für Industrie, Logistik und Gewerbe.
