Der Staat senkt den Strompreis auf 5 Cent pro Kilowattstunde – das war die Schlagzeile. Klingt nach Entlastung für die Industrie. Für die allermeisten mittelständischen Betriebe ändert sich aber: nichts. Hier die Fakten und der Hebel, den Sie selbst in der Hand haben.

Kurz gesagt: Der Industriestrompreis gilt nur für einen kleinen Kreis stromintensiver Unternehmen in internationalem Wettbewerb – geschätzt 1.500 bis 2.000 Firmen. Entlastet wird höchstens die Hälfte des Verbrauchs, rückwirkend und mit Reinvestitionspflicht. Der typische Mittelständler zahlt weiter den vollen Preis. Der schnellste eigene Hebel: den Verbrauch senken. Beleuchtung macht in Produktion und Lager oft 20–50 % der Stromrechnung aus und lässt sich mit LED um 50–70 % reduzieren.

Was ist der Industriestrompreis?

Die EU-Kommission hat am 16. April 2026 das deutsche Fördermodell beihilferechtlich genehmigt. Ziel ist ein Zielpreis von 5 Cent pro kWh für besonders stromintensive Unternehmen. Die Eckpunkte:

  • Nur für die Hälfte des Verbrauchs: Entlastet werden maximal 50 % des Jahresstromverbrauchs.
  • Nur für bestimmte Branchen: Unternehmen mit hoher Strom- und Handelsintensität, etwa aus Teilen der Chemie-, Metall-, Glas- und Keramikindustrie. Die endgültige Sektorenliste ist noch in Abstimmung.
  • Mit Gegenleistung: Ein Teil der Entlastung muss in Dekarbonisierung reinvestiert werden – also in Effizienz, Elektrifizierung oder Eigenerzeugung.
  • Rückwirkend: Das Antragsverfahren soll 2027 starten, die Entlastung für 2026 wird nachträglich ausgezahlt.

Warum der Mittelstand meistens leer ausgeht

Maschinenbauer, Automobilzulieferer, Logistiker, Lebensmittelverarbeiter, Handwerksbetriebe: Die meisten erreichen die geforderten Schwellen bei Strom- und Handelsintensität nicht. Für sie gibt es allenfalls die allgemeinen Entlastungen bei Stromsteuer und Netzentgelten – laut Branchenanalysen meist im Bereich von 2–4 Cent pro kWh.

Unterm Strich zahlen mittelständische Betriebe weiter deutlich mehr als ihre Wettbewerber in vielen anderen EU-Ländern. Für Unternehmen mit 2 bis 20 GWh Jahresverbrauch lag der Durchschnitt in Deutschland zuletzt bei rund 19 Cent pro kWh, im EU-Schnitt bei rund 16 Cent. Kleinere Gewerbebetriebe zahlen oft noch mehr.

Auf politische Entlastung zu warten, ist für die meisten Betriebe deshalb keine Strategie.

Der Hebel, den Sie selbst in der Hand haben

Zölle, Löhne, Energiepreise – vieles können Unternehmen derzeit nicht beeinflussen. Den eigenen Verbrauch schon. Und hier ist Beleuchtung einer der größten und gleichzeitig einfachsten Posten:

  • Großer Anteil: In Produktions-, Lager- und Logistikbetrieben entfallen je nach Schichtmodell 20 bis 50 % der Stromrechnung auf Licht.
  • Großes Einsparpotenzial: Gegenüber Leuchtstoffröhren, HQL- oder Natriumdampflampen spart LED typischerweise 50 bis 70 %.
  • Schnelle Wirkung: Die Einsparung beginnt mit dem Tag der Umrüstung – nicht erst nach einem Antragsverfahren.
  • Unabhängig von Politik: Was Sie nicht verbrauchen, müssen Sie nicht bezahlen. Egal, was in Berlin oder Brüssel entschieden wird.

Was das konkret bedeutet

Bei einem Tier-1-Automobilzulieferer in Bayern haben wir die Beleuchtung im Dreischichtbetrieb umgerüstet. Ergebnis: bis zu 80 % weniger Stromkosten für Licht, normgerechte Beleuchtung nach DIN EN 12464-1 und eine Amortisation in 11 Monaten. Kein einziger Tag Produktionsausfall.

Je mehr Stunden Ihr Betrieb läuft, desto schneller rechnet sich der Wechsel. Wenn Sie wissen wollen, wie die Rechnung bei Ihnen aussieht, lesen Sie auch unseren 5-Fragen-Check zur Wirtschaftlichkeit.

Und wenn Sie doch zu den Begünstigten gehören?

Dann lohnt sich Effizienz doppelt. Wer vom Industriestrompreis profitiert, muss einen Teil der Entlastung in Dekarbonisierungsmaßnahmen investieren. Eine LED-Umrüstung mit messbarer Einsparung ist eine der schnellsten und am besten dokumentierbaren Maßnahmen dafür. Ob sie im Einzelfall als Gegenleistung anerkannt wird, hängt von der finalen Förderrichtlinie ab.

Häufige Fragen

Wer bekommt den Industriestrompreis von 5 Cent?

Nur stromintensive Unternehmen aus Branchen mit hoher Strom- und Handelsintensität, etwa aus Teilen der Chemie-, Metall-, Glas- oder Keramikindustrie. Schätzungen gehen von rund 1.500 bis 2.000 Unternehmen in Deutschland aus. Die meisten Mittelständler, zum Beispiel aus Maschinenbau, Logistik oder Handwerk, fallen nicht darunter.

Gilt der Industriestrompreis für den gesamten Stromverbrauch?

Nein. Entlastet wird höchstens die Hälfte des Jahresverbrauchs. Außerdem müssen begünstigte Unternehmen einen Teil der Entlastung in Dekarbonisierung reinvestieren, und die Auszahlung für 2026 erfolgt voraussichtlich erst rückwirkend ab 2027.

Wie viel Strom verbraucht die Beleuchtung in einem Betrieb?

In Produktions-, Lager- und Logistikbetrieben entfallen je nach Schichtmodell oft 20 bis 50 Prozent der Stromrechnung auf die Beleuchtung. Mit einer LED-Umrüstung lässt sich dieser Anteil typischerweise um 50 bis 70 Prozent senken.

Stand: Oktober 2026. Die Förderrichtlinie zum Industriestrompreis war bei Veröffentlichung noch nicht final.

Quellen

Über den Autor: Jan Reiners

LED-Beleuchtungsexperte und TÜV-zertifizierter Fachplaner bei der LEDoptix GmbH mit über 15 Jahren Erfahrung in Lichtplanung und LED-Umrüstung für Industrie, Logistik und Gewerbe. Jan Reiners auf LinkedIn.

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